Nach Caransebes 

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22/23.6.2022

Am Morgen bin ich rasch wieder auf dem Fahrweg, wo mir gleich vier Holz- LKW entgegen kommen!

Ich habe noch viel Zeit und steige daher bald wieder in den Wald auf, wo ich meist alten, überwucherten Rückegassen folge. Immerhin sind die ersten Himbeeren reif und einmal beobachte ich zwei Hirschkühe, die im grasigen Schatten ruhen. Der Wald ist teilweise ziemlich aufgelichtet, es gibt aber auch noch dichtere Bereiche mit mächtigen Buchen und Ahornen. Schließlich schlage ich auf dem  Kamm mein Lager auf und kann die Blogbeiträge der letzten Tage absetzen, was zuvor wegen mangelnder Funkverbindung nicht möglich war.

Am Morgen fällt zu meiner Überraschung der erste Regen seit 10 Tagen. Das war die längste Schönwetterphase auf meiner Wanderung bisher!

Erst um halb neun hat der Regen aufgehört und ich laufe in Regenzeug durch den nassen Wald. Glücklicherweise ist die Vegetation weniger dicht als gestern und über ein Nebental gelange ich relativ schnell wieder auf den Fahrweg am Raul Lung. Als ich bei Fenes auf den Asphalt gelange, nimmt mich ein junger Förster mit. Er ist an meiner Wanderung interessiert, spricht jedoch leider kein englisch. Am Bahnhof von Sadova muss ich dann erfahren, dass der nächste Zug erst in vier Stunden fährt! Also probiere ich mein Glück mit dem Daumen an der Straße, was ziemlich mühsam ist, da der Verkehr relativ dicht ist und hauptsächlich Laster auf der Hauptroute nach Timisoara unterwegs sind. Nach einer Stunde hält ein Wagen, der mich aber nur zwei Kilometer weiter bringt. Hier ist es noch ungünstiger zu trampen, ein großer Hund will mich vertreiben, aber als ich zu einer Parkbucht gehe, verbessert sich die Lage. Zunächst bietet mir aber jemand an, mich die letzten 18 Kilometer für 20 Euro mitzunehmen, was ich dankend ablehne. Schließlich gelange ich mit einem Lieferwagen doch zu der Kleinstadt Caransebes, wo ich zunächst für die nächste Wanderetappe einkaufe und dann zu einem Hotel am Bahnhof laufe, wo Bernd Kempf bereits eingetroffen ist. Dr. Bernd Kempf ist der Vorsitzende der Freunde des Spessarts und Beirat im Bund Naturschutz Bayerns. Wir hatten uns letztes Jahr auf meiner Deutschlandwanderung getroffen und Bernd hatte zu Beginn meiner Karpatentour angefragt, ob er ein Stück mitlaufen kann. Auf einer von Dietmar Gross geführten Reise, hatte er schon den Urwald bei Sinca Veche kennen gelernt und möchte jetzt mehr von diesen faszinierenden Wäldern sehen. Der 64-jährige hat zwar noch nie eine längere Wanderung mit Zelt unternommen, wirkt aber motiviert und fit. Abgesehen davon ist er mir sehr sympathisch und ein interessanter Gesprächspartner, wie ich bei gutem Essen und Trinken mit ihm abends feststelle. Daher freue ich mich schon auf die letzte, 12 Tage umfassende Etappe meiner Karpatenreise, auf der wir unter Anderem den größten Urwald der EU durchwandern wollen.


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