Karpatentour- Das Finale

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6-8.7.2022

Nachdem wir am Donaustrand gefrühstückt haben, fährt uns ein Privatmann für relativ wenig Geld nach Timisoara, wo wir noch einmal übernachten. Die Innenstadt ist sehr schön, ich nehme an, die meisten Leute in Deutschland, würden so malerische Bilder mit alten Kirchen, ausgedehnten Fußgängerzonen und Plätzen voller Cafés und Restaurants in Rumänien nicht erwarten. Aber nach Brasov ist dies schon die zweite Stadt, die mir sehr gut gefällt.

Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen und ich fahre mit einem Bus über Budapest, Wien und Prag zurück nach Deutschland, was zwar 21 Stunden dauert, aber recht angenehm und vor allem klimaschonender als Fliegen ist.

Wer öfter mal in meinem Blog gelesen hat, wird sicher nachvollziehen können, dass ich die dreieinhalb Monate in den Karpaten als sehr lohnend empfunden habe. Fantastische Wälder, die aber leider teilweise stark bedroht sind, abenteuerliche Erlebnisse und die Begegnungen mit Aktivisten die sich für die Urwälder einsetzen, haben meine Karpatenreise geprägt. Genügend Stoff für ein weiteres Buch, wie ich hoffe!

Nun möchte ich kurz auf zwei Kommentare von Uwe Krüger eingehen:

Zunächst zu den Bären. Wie ich festgestellt habe, gibt es sie fast überall in den Karpaten und sie sind als große Beutegreifer potenziell gefährlich für den Menschen. Dennoch habe ich keinerlei spezielle Maßnahmen für Bärenbegegnungen getroffen, weder bin ich mit Bärenglöckchen herumgelaufen, habe nicht ständig laut gerufen um auf mich aufmerksam zu machen und habe mit dem Essen im Zelt geschlafen. Ich hatte ja insgesamt drei Bärenbegegnungen, zwei davon haben mich bemerkt und sind sofort geflüchtet. Das ist meines Erachtens die typische Reaktion. Bis vor kurzem offiziell und sicher auch heute noch illegal werden Bären gejagt. Daher ist die Angst vor dem Menschen tief in den Tieren verwurzelt, weshalb sie im Regelfall Menschen meiden. Wie immer gibt es natürlich Ausnahmen, beispielsweise wenn Bären Mülltonnen als Nahrungsquelle entdecken. Insgesamt gesehen, war so manche Fahrt per Anhalter mit Fahrern, die das Gaspedal gerne tief durchdrücken, ohne Zweifel gefährlicher als jede Bärenbegegnung. Was die Berichte über Unfälle mit Bären angeht, werden Sie meines Erachtens gerne von den Medien aufgebauscht oder von Interessengruppen, wie den Jägern für eigene Zwecke manipuliert. Dadurch kann leicht ein schiefes Bild entstehen.

Bernd, der mich die letzten 12 Tage begleitet hatte, hat tatsächlich immer seine Vorräte mit einem elaborierten System bärensicher aufgehängt.

Die zweite Frage nach dem Einfluss von Bär, Luchs und Wolf auf die Wildbestände kann ich nicht beantworten. Allerdings habe ich ebenfalls den Eindruck, dass es in den Wäldern der Karpaten viel weniger Wild als bei uns gibt und die Bestände für die Verjüngung des Waldes keine Rolle spielen. Ursächlich dafür ist wahrscheinlich eine Kombination von Faktoren: Die Nahrungsbasis ist viel geringer, da meist keine Felder in Waldnähe liegen und die Wälder insgesamt dichter und geschlossener als bei uns sind. Dadurch ist die Krautvegetation häufig nicht sehr ausgeprägt. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang sicher auch die viel niedrigere Wegedichte gegenüber Deutschland. Ebenso spielen die strengeren Winter als Nadelöhr hier wahrscheinlich noch eine Rolle und insgesamt wird wohl auch viel weniger gefüttert. Ich kann mir vorstellen, dass die großen Beutegreifer diese Effekte verstärken, ausschlaggebend sind sie meiner Meinung nach wohl nicht.


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2 Gedanken zu „Karpatentour- Das Finale

  • 27. Juli 2022 um 18:47
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    Lieber Gerald,

    zunächst meine Glückwünsche zur erfolgreich bewältigen Karpatentour! Ich habe auch dieses Mal jeden Deiner Tagesberichte gelesen (wenn auch manchmal mit einer gewissen Verzögerung) und habe ein Bild von den rumänischen Karpaten entwickeln können, das ich sonst nicht in Ansätzen hätte. Vielen Dank dafür!

    Und Dank für das Eingehen auf meine beiden Kommentare!

    Bären: Klingt plausibel! Als ich in die Hohe Tatra aufbrach, wurde ich von durchaus kundigen Menschen recht eindringlich vor den Bären gewarnt. Meine Haltung war aber: Die dortigen Bären sind keine men-eater, und deshalb habe ich keine großen Besorgnisse. Auch wenn in der Slowakei die Bärenjagd eine viel geringere Rolle als in Rumänien spielt(e), war diversen Filmaufnahmen aus der Tatra (Stichwort Youtube) zu entnehmen, dass Bären – sobald sie etwas von der Anwesenheit der Filmer mitbekamen – sehr schnell auf Distanz gingen. Dies betrachtete ich als Schutzschirm vor “planmäßigen Attacken”. Allerdings sind m.E. “unplanmäßige Attacken” nie auszuschließen – wenn ein Mensch in dichtem Gelände plötzlich auf kurzer Entfernung einem Bären (oder noch unschöner: einer Bärin mit jüngerem Nachwuchs) gegenüber steht. Auch ansonsten scheue Bären könnten m.E. in diesem Fall sofort eine spontane Abwehr-Attacke einleiten – evtl. mit fatalen Folgen. Ich werde daher – falls ich in diesem Herbst erneut durch die Tatra ziehen sollte – wieder meine Bärenglöckchen in Betrieb setzen. – Dass europ. Braunbären – um an Proviant zu kommen – zunächst einmal einen Menschen aus dem Weg räumen, habe ich aus Europa noch nie erfahren (im Unterschied zu Nordamerika).

    Huftierdichte: Du scheinst meine Mutmaßungen mehr oder weniger zu teilen. Wenn wir uns einmal wieder in Ruhe sehen sollten, können wir diesen “Diskurs” ja fortsetzen. Du wirst ja vielleicht auch im Kaukasus in dieser Hinsicht Eindrücke sammeln können!

    Und jetzt bin ich sehr gespannt auf Deine Berichte aus dem Kaukasus! Dort sollen sich (nach einem Zusammenbruch der Populationen in den wilden Jahren nach Ende der UdSSR) wieder größere Herden von Bergwisenten herumtreiben – wobei ich nicht weiß, ob dieses auch für den georgischen Kaukasus (oder nur für das russische Staatsgebiet) gilt und ob Du in diese Regionen kommen wirst. Aber auch unabhängig davon werden Deine Beschreibungen und Fotos in verschiedener Hinsicht garantiert sehr spannend sein!

    Alles Gute und Grüße aus Marburg – Uwe

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    • 28. Juli 2022 um 10:43
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      Lieber Uwe,

      Danke für deine sehr interessanten Kommentare!
      Ich würde mich auch freuen, wenn wir uns im Herbst mal wieder unterhalten können.

      Liebe Grüße aus dem Kaukasus

      Gerald

      Antwort

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