Durch die wilde Nera Schlucht 

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3.7.2022

Morgens lassen wir unsere Rucksäcke zurück und erkunden einen schmalen Fahrweg, der hinter einer Schranke an der Grenze der Weltnaturerbestätte verläuft. Der Wald ist unheimlich vielfältig, häufig mit mehreren unterschiedlichen Baumarten auf wenigen Quadratmetern. Linden und Hainbuchen dominieren, aber es gibt auch Ulmen, Eschen, verschiedene Ahornarten und eher südliche Arten wie Zerreichen, Mannaeschen und Hopfenbuchen. Rotbuchen, für die die Weltnaturerbestätte ja eingerichtet wurde kommen vor, spielen aber keine große Rolle, was sich mit zunehmender Höhe bestimmt ändert.

Zurück im Lager folgen wir der Nera weiter aufwärts. Gegenüber der Quelle, wo ich gestern Wasser geschöpft habe, lagern zwei junge Männer mit ihrem Schlauchboot. Es muss toll sein, sich die meist zahme Nera runtertreiben zu lassen! 

An einem großen, offenbar verlassenem Gebäude endet der Fahrweg und ein offenbar ziemlich schwieriger Pfad in der Schlucht beginnt, was uns ein Schild verrät. Für die etwa 13 Kilometer bis zum Lacul Dracului soll man 6-9 Stunden gebrauchen!

Zunächst verläuft der Weg in Bachnähe. Wir sehen eine riesige Pappel und stellenweise Buchsbaumunterwuchs.

Nur einmal begegnen wir einem Menschen: Einem freundlichen, rumänischen Angler. Obwohl das Wasser nicht besonders sauber wirkt, sehen wir stellenweise ganze Schulen von kleinen Fischen. Während wir zunächst wenig Aussichten auf die Nera erhaschen, ist der Weg dann streckenweise in den Felshang gehauen und gewährt spektakuläre Perspektiven. Manchmal ist der Sims so schmal, dass Drahtseile zur Sicherung im Fels angebracht wurden. Wir passieren Steilwände und eine Höhle, müssen aber auch oft über umgestürzte Bäume klettern. Offenbar wird der Weg durch diese spektakuläre Schlucht im Nationalpark kaum gepflegt. Leider wurden an vielen Stellen Plastikflaschen angespült, Rumänien hat wirklich ein Müllproblem!

Einmal durchwaten wir die Nera barfuß, was bei dem jetzigen Wasserstand kein Problem darstellt. Es ist schwül-heiß, so das wir ständig am Schwitzen sind und das Wandern ziemlich anstrengend ist. Immerhin passieren wir eine kühle Höhle und dürfen eiskaltes Quellwasser trinken. Neben vielen Libellen und einigen Schwalbenschwänzen beobachten wir einen auffällig blau gefärbten Alpenbock, einen seltenen Totholzkäfer. 

An einigen Stellen wachsen Eiben und der Seidelbast trägt mittlerweile seine roten Früchte.

Steile Felsanstiege und umgestürzte Bäume fordern uns einiges ab und erst gegen sechs, nachdem wir die Schlucht verlassen haben, schlagen wir unser Lager auf. Es donnert, allerdings fallen dann nur wenig Regentropfen.

Da es hier von Mücken wimmelt, verziehen wir uns dann aber früh in unsere Zelte…

Interessanterweise gibt es hier offenbar zwei Arten von Glühwürmchen: Die Einen leuchten im Dauermodus, die Anderen schalten die Beleuchtung ständig ein und aus.


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