Die Pioniere der naturnahen Waldnutzung in Deutschland

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Wer auf der Suche nach Forstbetrieben ist, die in Deutschland schon jetzt wirklich naturnah wirtschaften, kommt an einer Gruppierung nicht vorbei, das ist die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW).


Zur Zeit bin ich dabei, die gewünschten Stationen für mein Waldbegeisterungsprojekt zu kontaktieren. Ganz besonders freue ich mich, dass ich als allererstes Hans von der Goltz besuchen darf, der seit 20 Jahren der Bundesvorsitzende der ANW ist!



Besonders interessant an der ANW ist, dass sie bereits seit 1950 kahlschlagfrei arbeitet und seit dem bunt gemischte, vielfältig strukturierte Wälder aufbaut.


                 Bunt gemischte, vielfältig strukturierte Wälder


Daher kann man in vielen ANW- Betrieben schon über lange Zeit beobachten, wie sich ein naturnah aufgebauter Wald entwickelt.

Dabei ging es der ANW nie darum irgendeine vermeintlich „grüne“ Ideologie umzusetzen, sondern die Mitgliedsbetriebe sind der festen Überzeugung, dass ihr Modell der Waldbewirtschaftung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch erfolgreicher ist. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass auch eine ganze Reihe großer, privater Forstbetriebe nach den Grundsätzen der ANW arbeitet. 

Man könnte jetzt vielleicht denken, das die ANW irgendwann ihre Grundsätze entwickelt und seit dem auf diesem Stand geblieben ist. Das ist aber keineswegs der Fall. So wurden beispielsweise 2013 ökologische Grundsätze vereinbart, zu denen unter Anderem die Integration von Naturwaldelementen wie dem Totholz und die Ausweisung von nicht bewirtschafteten Weiserflächen gehört. 

Die ANW verfolgt einen praktischen, auch wissenschaftlich begleiteten Ansatz. Folgende aktuelle Themen werden bearbeitet: 


  • Im BioWild-Projekt geht es darum mit 248 Weisergattern auf 25.800 ha Waldfläche in fünf Bundesländern den Einfluss des Wildes auf die Waldvegetation inner- und außerhalb der Zäune aufzuzeigen. Daraus sollen dann Jagdstrategien entwickelt werden. Der Einfluss, insbesondere der Rehe, für den Aufbau naturnaher Wälder kann kaum überschätzt werden, daher ist dieses Projekt, dass großflächige Daten liefern soll, sehr wichtig!

         Vielfältige Naturverjüngung stellt sich ein, wo der Wildbestand nicht zu hoch ist

  • Die ANW ist davon überzeugt, dass ihr Konzept ökologisch und ökonomisch besonders erfolgreich ist. Im Dauerwald- Projekt soll dies auf 10 ha großen Dauerbeobachtungsflächen auch wissenschaftlich nachgewiesen werden.


  • Während die Fichte durch den Klimawandel an vielen Standorten in Deutschland in Zukunft keine große Rolle mehr spielen wird, sieht die ANW die heimische Weißtanne in gewisser Weise als Ersatz und will im Weißtannenprojekt zeigen, wie diese Baumart auch ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets etabliert und gefördert werden kann.

                                                 Junge Weißtanne


Als ich vor 25 Jahren meine Laufbahn als Förster begonnen habe, war die naturgemäße Waldbewirtschaftung in aller Munde und das ANW- Modell war dabei so etwas wie „Mainstream“ zu werden. Noch heute findet sich Vieles von ihrer Philosphie in den Waldbaukonzepten der unterschiedlichen Bundesländer. In der Realität wurde dabei aber seit etwa 20 Jahren ein ganz anderer Kurs eingeschlagen. Die Forstverwaltungen der Bundesländer wurden überall zu Landesbetrieben umgeformt, mit klaren ökonomischen Vorgaben, die häufig den eigentlich propagierten Zielen wie Mischwaldaufbau, Dauerwald und einzelstammweiser Bewirtschaftung entgegen standen.


Durch die letzten drei Katastrophenjahre ist es vielen inzwischen klar, dass es  so wie bisher nicht weiter gehen kann. Ich hoffe gerade in den ANW- Betrieben die ich besuchen werde, Lösungsansätze dafür zu finden, wie der Waldbau der Zukunft aussehen sollte!


Natürlich habe ich auch viele Fragen, die ich dann bei meinen Besuchen stellen werde!









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