Brief der hessischen Naturschutzverbände an die Umweltministerin Hinz von den Grünen

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Die hessischen Naturschutzverbände NABU,BUND und HGON haben gerade einen Brief an die hessische Umweltministerin verfasst, in dem sie eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft in Hessen fordern. Ich halte den Brief für so gelungen, dass ich Ihn auszugsweise hier veröffentliche.

Vorschläge zur Neuausrichtung der Forstwirtschaft in Hessen im Rahmen der Neufassung der Naturschutzleitlinie

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Hinz,

die drei Dürrejahre von 2018 bis 2020 führten bekanntermaßen zu großen ökologischen und ökonomischen Schäden im Hessischen Wald, welche bis hin zum großflächigen Absterben ganzer Baumbestände reichte. Die Auswirkungen auf nahezu das gesamte Waldökosystem offenbarten einerseits eine nicht ausreichende Widerstandskraft des Waldes in Bezug auf aktuelle und absehbare Klimaveränderungen; sie zeigten aber auch Fehlentwicklungen bei der Waldbewirtschaftung in der Vergangenheit auf.

Nach unserer Auffassung ist die Bewirtschaftung des Staatswaldes aktuell noch immer viel zu stark auf die Holzproduktion ausgerichtet und viel zu wenig auf die Ökosystemleistungen und die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes. Das hat unter anderem zu folgenden Entwicklungen geführt:

  •   Die zu starke und zu schnelle Auflichtung der Bestände in der Hauptnutzungsphase verursachte fast flächendeckend einen Verlust des waldtypischen feuchtkühlen Kleinklimas.
  •   Gegenüber natürlichen bzw. nachhaltig naturnah bewirtschafteten Wäldern besteht ein viel zu geringer Holzvorrat.
  •   Insbesondere fehlt es an stark dimensionierten Bäumen und Totholz. Es findet eine Übernutzung der Laubaltaltholzbestände statt. Insbesondere die bisherigen Vorgaben der Forsteinrichtung (Forstbetriebsplanung) in Laubholzhauptnutzungsbeständen sind deutlich zu hoch angesetzt.
  •   Die ökologisch überaus wichtige Alters- und Zerfallsphase wird auf 90 % der Waldfläche ausgeschlossen.
  •   Ein viel zu enges Erschließungsnetz von Wegen und Rückegassen führt neben den direkten Verlusten durch baumfreie Flächen auch zur Degenerierung der hier anzutreffenden Böden.
  •   Das oben genannte Erschließungsnetz trägt aktiv zu einer flächendeckenden Entwässerung weiter Waldbereiche bei. Verstärkter Oberflächenabfluss und damit ein erhöhter Wasserstress in Wäldern sind die Folge; ebenso eine Verschärfung der Hochwassergefahr außerhalb des Waldes.
  •   Überdimensionierte Verkehrssicherungsmaßnahmen nach den trockenen Sommern vergrößern die Öffnung der Wälder und das Risiko fortschreitender Schäden in der Zukunft
  •   In der täglichen Praxis hat die Holzproduktion leider oft Vorrang vor Artenschutz und Biodiversität.
  •   Teilweise bestehen noch immer zu viele monostrukturierte Altersklassenwälder mit häufig nicht standortheimischen Baumarten. Aus Sicht des Naturschutzes ist jetzt eine Neuorientierung der Zielvorgaben für HessenForst unumgänglich. 

Was denkt ihr darüber? Besteht Interesse, das ich noch mehr aus dem Brief veröffentliche?


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3 Gedanken zu „Brief der hessischen Naturschutzverbände an die Umweltministerin Hinz von den Grünen

  • 1. Februar 2022 um 9:32
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    Hallo Gerald,
    danke für das Teilen.
    >>Besteht Interesse, das ich noch mehr aus dem Brief veröffentliche?<<
    Unbedingt!
    Immer in der Hoffnung, dass es etwas nützen könnte in den Mühlen der Bürokratie.
    LG Karin

    Antwort
  • 3. Februar 2022 um 13:52
    Permalink

    Hallo Herr Klamer,
    Ihre Aktion wirkt bei mir immer noch nach (und wird es sicher noch sehr lange). Stellen sie ruhig alles Online. Der o.g. Brief enthält ja DIE Informationen und Forderungen, aus Ihrem Blog.
    Ich verfolge das Thema weiter und bin sehr gespannt wie die Politik reagiert.

    Viele Grüße und allen, die sich für unsere Natur und einen sparsamen Verbrauch von Resourcen einsetzen, wünsche ich viel Erfolg und Durchhaltevermögen.
    Bert

    Antwort

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